Geschichte des Tauchens

Obwohl sich der Mensch gut an ein Leben an Land angepaßt hat, versucht er bereits seit Jahrtausenden, den marinen Lebensraum zu erkunden und zu erforschen. Funde aus der Zeit vor Christus zeugen von dem schon damals vorhandenen Interesse der Menschen, sich auch das Meer ,untertan' zu machen.

Archäologen haben Muschelreste im früheren Mesopotamien gefunden, die aus der Zeit vor ungefähr 4.500 v. Chr. stammen; aufgrund der Beschaffenheit und der Lebensbedingungen dieser Muscheln fanden Zoologen heraus, daß diese Muscheln nicht in unmittelbarer Strandnähe gelebt haben, sondern daß diese erst vom Meeresgrund heraufgetaucht werden mußten.

Die Kreter verehrten bereits vor 4.500 Jahren Gott Glaukos, der auch heute noch als Schutzpatron griechischer Taucher, Fischer und Segler gilt.

Graphische Aufzeichnungen von Tauchern, die ungefähr 2.500 Jahre alt sind, hat man in griechischen Gräbern gefunden; die Griechen benutzten Vorrichtungen aus Ziegenbälgen, in denen sie einen Vorrat an Atemluft mit in die Tiefe nahmen und so ihre Tauchzeit über ihr eigenes Lungenvolumen hinaus verlängern konnten.

Taucheranzüge mit Tauchhelmen oder Luftschläuche sind bereits im 15. Jahrhundert bezeugt. Leonardo da Vinci beschäftigte sich mit der Frage, wie der Mensch unter Wasser überleben könnte. Er entwickelte einen überlangen, versteiften Luftschlauch, der von einer Korkscheibe an der Wasseroberfläche getragen wurde. Diese Konstruktion brachte nicht den gewünschten Erfolg, da sie aufgrund des gefährlich vergrößerten Totraumes im Luftschlauch nicht funktionierte.

Auch die Taucherglocke (frz. Cassion = Kasten), ein großes, nach unten offenes Gefäß, aus dem die Luft unter Wasser nicht entweichen konnte, geht auf Überlieferungen aus dem 16. Jahrhundert zurück. Aus diesen Taucherglocken konnten mehrere Männer über längere Zeit ihre Atemluft beziehen und dadurch etwa wertvolle Ladungen gesunkener Schiffe bergen.

1692 baute und erprobte der Franzose Papin einen zylindrischen Tauchapparat mit Luftschlauch. Die spätere Erfindung einer Pumpe, die Luft gegen den Wasserdruck in die Tiefe befördern konnte, verlängerte die Tauchzeit schließlich fast nach Belieben, auch wenn dies mit großem technischen Aufwand verbunden war.

Einen großen Sprung nach vorne machte das Tauchen mit einer Errungenschaft eines Deutschen namens Siebe; dieser entwickelte einen geschlossenen Taucheranzug mit Kupferhelm. In Kombination mit Schlauch und Pumpe waren nun noch längere Tauchzeiten und noch größere Tiefen möglich.

Über eine lange Zeit hindurch wurde das Tauchen von tragischen Unfällen überschattet, und selbst bei noch so erfahrenen Tauchern häuften sich unerklärliche Krankheiten; damals erkannte man noch nicht oder nur sehr ungenügend den Einfluß eines längeren Unterwasseraufenthalts auf den menschlichen Körper (Vgl. Dekompressionskrankheit - Cassionkrankheit).

Das ,freie' Tauchen, ohne schlauchartige Verbindung zur Wasseroberfläche, ist auf eine revolutionäre Erfindung von Jaques - Yves Cousteau zurückzuführen; er gilt als einer der Pioniere und Wegbereiter des modernen Sporttauchens. 1943 entwickelte Jaques - Yves Cousteau zusammen mit dem französischen Ingenieur Emile Gagnan den Lungenautomaten, ein vollautomatisches Ventil, das komprimierte Luft in jeder beliebigen Tiefe unter genau dem richtigen Umgebungsdruck zur Atmung freigab.

Damit wurde der Taucher endlich von seiner ,Nabelschnur', dem hinderlichen Luftschlauch zur Oberfläche, von seinen Helfern und der aufwendigen Technik befreit. Neben dem Lungenatomaten brauchte der Taucher nun nur noch eine Luftdruckflasche, die an Land mittels eines Kompressors mit verdichteter Luft gefüllt wurde.
Somit war die Voraussetzung geschaffen, die Welt unter Wasser allen Menschen zu eröffnen....